Prof. Dr. Martin E. P. Seligman rief mit seinem Antritt als Präsident der American Psychological Association im Jahre 1998 dazu auf, mit der Positiven Psychologie eine „neue Wissenschaft menschlicher Stärken“ zu fördern. Die Positive Psychologie stellt dabei keine neue Disziplin dar, sondern einfach nur als eine Verlagerung des Brennpunktes in der Psychologie: „Von der Erforschung schlimmster Erscheinungen im Leben zur Forschung darüber, was ein Leben lebenswert macht.“ Die wissenschaftliche Erforschung sollte wieder vermehrt Augenmerk auf die Grundlagen eines guten Lebens und jener Eigenschaften, welche Lebenszufriedenheit begünstigen und zum Aufblühen des Menschen führen (Flourishing) lenken. Einer der Argumente, weshalb man sich wieder auf das Wohlbefinden und deren Förderung konzentrieren sollte war, dass sich durch den Wegfall von Unglück bzw. Krankheit nicht automatisch Glück einstellt, d.h. dass Glück bzw. subjektives Wohlbefinden aktiv angestrebt werden müssen.

Die Positive Psychologie widmet sich somit der Aufgabe, zu erforschen und zu kultivieren, was das Leben am meisten lebenswert macht. Dabei richtet sie den Blick gezielt darauf, welche Eigenschaften und welche Rahmenbedingungen mit Wohlbefinden und Lebenszufriedenheit zusammenhängen, wobei „die Korrektur von Defiziten“ in den Hintergrund rückt. Unter psychisches Wohlbefinden werden jedoch zwei unterschiedliche Arten verstanden. Die hedonische Komponente, die in ihrer Natur kurzlebig und spontan ist, wird mit Gefühlen wie Spaß und Genuss assoziiert und häufig durch externe Reize ausgelöst. Das eudaimonische Wohlbefinden hingegen spielt sich auf einer tiefergehenden Ebene ab, wenn zum Beispiel die ausgeführte Tätigkeit ein Gefühl von Sinnhaftigkeit vermittelt. Beide Aspekte können, müssen aber nicht gleichzeitig auftreten.

Die Forschungen im Bereich der Positiven Psychologie ergaben, dass fünf Faktoren für das allgemeine Wohlbefinden im Leben der Menschen zentral sind:

  • P wie Positive Emotions
    Das regelmäßige Erleben positiver Emotionen wie zum Beispiel Freude, Optimismus, Zufriedenheit, Dankbarkeit, Genuss oder Zuneigung.
  • E wie Engagement
    Das  „Flow-Erleben“, dass uns aufblühen lässt und unsere Lebenszufriedenheit bedeutend erhöht. Prinzipiell sollten wir uns Aufgaben entsprechend unserer Talente suchen, die uns weder über- noch unterfordern.
  • R wie Relationships
    Darunter versteht man positive Beziehungen wie Freundschaften, Familien, Vereinen uvm. die einen großen Teil zu unserer Zufriedenheit beitragen.
  • M wie Meaning
    Darunter wird das einsetzen unsere Stärken und Fähigkeiten zu Gunsten eines höheren Zwecks verstanden.
  • A wie Accomplishment,
    Das Erleben, als Schmied unseres eigenen Glückes, wiederspiegelnd in Eigenverantwortung, Zielsetzungen im Leben, zukunftsorientiertes Handeln und das erreichen eigener Ziele.

Zusammengefasst kann als Ziel der Positiven Psychologie, dass Verständnis für jene Eigenschaften von Menschen genannt werden, die zu einem „guten/gelingenden“ Leben beitragen und fördert bzw. ermöglicht Menschen, ihre Stärken und Talente genauer kennen zu lernen und im Alltag für sich einzusetzen.